Was verbirgt sich hinter Begriffen wie "dermatologisch getestet"?

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  • "dermatologisch getestet"
  • "klinisch getestet"
  • "allergiegetestet"
  • "augenärztlich getestet"
  • "hypoallergen"

    Aussagen wie diese klingen vertrauenserweckend und suggerieren eine besonders gründliche Testung und damit eine außergewöhnlich hohe Verträglichkeit der fraglichen Produkte. In Wirklichkeit handelt es sich allerdings vor allem um Werbeslogans, denn:

     

    Keines dieser vermeintlichen Gütesiegel ist rechtlich geschützt - im Grunde bedeuten sie nur, dass die Produkte getestet wurden.

     

    Darüber, welches genaue Testverfahren dafür benutzt wurde, ob die Tests von unabhängigen Prüfern durchgeführt wurden und welche Ergebnisse dabei herausgekommen sind, sagen die Kennzeichnungen in den meisten Fällen nichts aus.

     

    Lediglich gesetzliche Mindestanforderungen

    Laut EU-Kosmetik-Verordnung muss jedes kosmetische Produkt eine sogenannte Sicherheitsbewertung durchlaufen, die durch eine dafür qualifizierte Person zu erfolgen hat (z.B. Abschluss in Pharmazie, Toxikologie, Medizin, entsprechende Erfahrung und fachspezifische Kenntnisse). Dabei werden u.a. die Stabilität der Zusammensetzung, die mikrobiologische Qualität, das toxikologische Profil und die Haltbarkeit bewertet und das Produkt auf Verunreinigungen und unerwünschte Wirkungen untersucht. 

    Irreführende Werbewirkung

    Nachdem es für die Auslobung mit den anfangs genannten Bezeichnungen aber keine festgelegten Kriterien gibt und diese in den meisten Fällen auch nur auf wenig aussagekräftigen Testungen innerhalb sehr kurzer Testzeiträume mit wenigen Probanden basieren, wird also mit etwas geworben, das kaum über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht und KonsumentInnen fälschlicherweise besondere Vertrauenswürdigkeit suggeriert.

    Und trotzdem: umstrittene Inhaltsstoffe

    Zu beachten ist auch, dass durch die durchgeführten Testungen umstrittene Inhaltsstoffe nicht ausgeschlossen werden, da für die Prüfung wie erwähnt kaum strengere Kriterien als bei konventioneller Kosmetik laut EU-Kosmetik-Verordnung angewendet werden.

     

     

    Was steckt nun hinter diesen "Gütesiegeln"?

    Im Einzelnen hat Ökotest Folgendes zu einigen der am häufigsten verwendeten Bezeichnungen zu sagen:

     

    Dermatologisch getestet

    • Hersteller verleihen sich diese Bezeichnungen selber, ohne unabhängige Prüfstelle.
    • Dahinter stecken keine festgelegten Regeln, welche Tests gemacht werden müssen.
    • Theoretisch kann diese Bezeichnung auch verwendet werden, ohne dass überhaupt irgendwelche Tests durchgeführt werden.

       

      Dermatest dermatologisch getestet (allergiegetestet)

      • Vergeben von der Firma Dermatest, die häufig im Auftrag großer Kosmetikfirmen Hautverträglichkeitstest durchführt.
      • Es wird ein sogenannter Epikutantest gemacht, bei dem das Produkt mindestens 30 Testpersonen auf die Haut aufgetragen und mit einem Pflaster für mindestens 24 Stunden abgeschlossen wird. Danach wird die Hautstelle von einem Hautarzt auf Irritationen untersucht und noch zwei weitere Tage beobachtet.
      • Bei dieser Art von Test treten nur ganz selten Probleme auf, er dient eher dazu, sehr grobe Fehler in der Rezeptur auszuschließen. Laut Dermatologen wären für eine wirklich aussagekräftige Bewertung der Sicherheit eines Produkts längere Anwendungstests sinnvoller. Sollte das Produkt nicht einmal einen Epikutantest bestehen, so sollte es ihrer Meinung nach erst gar nicht in den Verkauf gehen.
      • Selbst wenn Anbieter noch "allergiegetestet" zur Auslobung hinzufügen, so wurde auch hier nicht mehr als ein einfacher Epikutantest durchgeführt.
      • Fazit: Die Note "sehr gut" bei diesem Test vermittelt fälschlicherweise den Eindruck, das getestete Produkt sei überdurchschnittlich gut verträglich, obwohl auch hier eigentlich wieder nur Mindeststandards erfüllt werden.

         

        Augenärztlich getestet

        • Die Aussage stammt vom Hersteller selbst, ohne externe Prüfstelle.
        • Auch hier existiert keine offizielle Methode oder ein einheitliches Verfahren.
        • Im Prinzip trifft hier alles zu, was auch für "dermatologisch getestet" gilt.

           

          DAAB getestet und empfohlen

          • Vergeben vom Deutschen Allergie- und Asthmabund mit Sitz in Mönchengladbach.
          • Auch dieser Empfehlung liegt kein besonders starrer Kriterienkatalog zu Grunde.
          • Allerdings dürfen keine allergieauslösenden Stoffe enthalten sein und das Produkt wird im Schnitt an 150 Personen getestet.
          • Problematisch ist dabei aber, dass nicht klar hervorgehoben wird, für welche Art von Allergiker (Pollenallergiker, Kontaktallergiker, etc.) das Produkt als geeignet ausgelobt wird.
          • Daher müssen VerbraucherInnen erst recht wieder individuell die Inhaltsstoffliste überprüfen, um zu sehen, ob das Produkt tatsächlich für sie geeignet ist. 

             

            Hypoallergen

            • Hersteller verleihen sich diese Bezeichnung selbst, ohne unabhängige Prüfstelle.
            • Auch hier handelt es sich nicht um einen rechtlich geschützten Begriff und es gibt keine festgelegten Testkriterien.
            • Oft wird auf potenziell allergisierende Inhaltsstoffe verzichtet, Garantie dafür gibt diese Bezeichnung aber keine.
            • Aufgrund der Gefahr der Irreführung von Verbrauchern haben sich daher u.a. das wissenschaftliche Beratungsgremium der Europäischen Kommission und die Interessenvertretungen der Allergiker gegen diese Auslobung ausgesprochen

               

              Empfohlen von: Deutsche Haut- und Allergiehilfe

              • Wird vergeben von der Deutschen Haut- und Allergiehilfe (DH), einem gemeinnützigen von Patienten und Ärzten konzipierten Verein.
              • Auch hier existiert kein fester Kriterienkatalog.
              • Grundsätzlich ist eine derartige Auslobung eher kritisch zu sehen, da niemand ausschließen kann, dass ein Produkt bei bestimmten Menschen allergische Reaktionen auslöst oder sie empfindlich darauf reagieren, da dies individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann und prinzipiell alle - selbst für den Großteil der Menschen harmlose - Inhaltsstoffe bei gewissen Personen diese Reaktionen hervorrufen können.

                 

                ECARF Quality Tested Qualitätssiegel Allergikerfreundliche Kosmetik

                • Vergeben von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung mit Sitz an der Charité in Berlin.
                • Allergene Stoffe werden nicht von vornherein ausgeschlossen, der Hersteller muss im Falle ihrer Verwendung lediglich nachweisen, dass diese in der von ihm verwendeten Konzentration keine Gefahr darstellen.
                • Vor der Auslobung wird ein umfangreicher Epikutan- und Gebrauchstest an 20 Neurodermitis-Patienten durchgeführt.
                • Diese Auslobung ist deswegen problematisch, weil sie keine absolute Sicherheit gewährt, da Allergiker auch schon auf winzige Mengen allergener Stoffe reagieren können.

                   

                  Auch hier raten wir daher wieder, sich nicht auf fragwürdige Gütesiegel zu verlassen, sondern vor dem Kauf die INCI-Liste im Bedarfsfall auf (individuell) problematische Stoffe zu überprüfen.

                   

                  Quellen:
                  oekotest.de, 18.03.2010, "7 Dermatologische Gütesiegel im Test"
                  oekotest.de, "Öko-Test Kompass Gütesiegel 2010"
                  Codecheck.info, 25.03.2016, "Was bedeutet eigentlich „dermatologisch getestet“ auf deiner Creme?"
                  Stern.de, 13.04.2016, "Das steckt wirklich hinter Slogans wie "klinisch getestet""
                  salzburg24.at, 29.03.2018, "Was versteht man unter "dermatologisch getestet"?"
                  ages.at (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), 20.04.2021, "Produktinformationsdatei & Sicherheitsbewertung"
                  verbrauchergesundheit.gv.at, "Produktinformationsdatei / Sicherheitsbericht für kosmetische Mittel"
                  wko.at, Dezember 2020, "EU-Kosmetik Verordnung"

                   

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