Zero Waste für Anfänger

Alltagstipps Körperpflege Nachhaltigkeit Recycling Zero Waste

Laut dem Fachjournal "Nature" werden wir im Jahr 2100 TÄGLICH mehr als 11 Millionen Tonnen feste Abfälle produzieren, wenn sich die Gewohnheiten der Menschheit bis dahin nicht ändern.

Ich weiß nicht, wie du das siehst, aber für mich ist dieser alarmierende Gedanke Grund genug, mein Leben so gut es geht an den Grundgedanken der Zero Waste Philosophie (refuse, reduce, reuse, recycle, rot) auszurichten und dadurch möglichst wenig Müll zu produzieren und möglichst wenige Ressourcen zu verschwenden.

Um diese Prinzipien möglichst immer und überall in das eigene Leben zu integrieren, bedarf es – zugegebenermaßen – natürlich schon so einiges an Zeit, Disziplin und Übung. Aber lass dich davon nicht abschrecken – es ist besser, mit kleinen Schritten anzufangen und diese konsequent anzuwenden als an einem perfekten – aber unrealistischen – Zero Waste Lebensprojekt zu scheitern!

Daher möchte ich dir heute 5 Bereiche vorstellen, in denen du sehr schnell und leicht Müll reduzieren kannst. Schau doch für's Erste, wie du damit zurechtkommst – sobald diese Angewohnheiten selbstverständlich für dich geworden sind, kannst du zu den nächsten Schritten übergehen.

1. Lebensmitteleinkauf

Gerade mit Lebensmitteln wird in der westlichen Gesellschaft oft schändlich umgegangen: Vieles, das eigentlich noch genießbar wäre, wird weggeschmissen und es fällt auch unnötig viel Verpackungsmüll an.

Was kannst du dagegen tun?

Kurz zusammengefasst: Kaufe Lebensmittel möglichst regional, saisonal, unverpackt und in Bioqualität ein.

Regional und saisonal: 

Informiere dich darüber, welche Produkte in unseren Breitengraden zu welcher Zeit wachsen und kaufe diese dementsprechend ein. Das reduziert den Umweltabdruck deines Einkaufs und außerdem erhältst du frischere Produkte. Für Österreich findest du hier einen Saisonkalender, den du zu Rate ziehen kannst.

Unverpackt: 

Mittlerweile gibt es glücklicherweise immer mehr Läden, in denen man (möglichst) verpackungsfrei einkaufen kann - eine Liste findest du z.B. auf der Website von Zero Waste.

Doch auch wenn es in deiner Nähe kein solches Geschäft gibt oder du aus anderen Gründen nicht dort einkaufen willst, so gibt es dennoch Möglichkeiten, den bei deinen Einkäufen anfallenden Verpackungsmüll zu reduzieren:

So haben auf vielen Märkten die Händler zum Beispiel nichts dagegen, ihre Ware in von dir mitgebrachte wiederverwendbare Taschen und Behälter einzufüllen, und auch in manchen Supermärkten besteht diese Möglichkeit zumindest bei gewissen Produkten (z.B. an der Frischtheke oder bei Obst und Gemüse) – frag am besten einfach mal nach. Je mehr Menschen sich diesbezüglich informieren, desto eher wird sich etwas in diese Richtung bewegen. 

Eine weitere Möglichkeit wäre, gewisse lang haltbare Lebensmittel (wie z.B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne und Samen) in Großpackungen online zu bestellen. Diese werden dann anstatt in sehr kleinen 500 - 1000g Verpackungen z.B. in 5kg Papiersäcken geliefert, was den anfallenden Müll zumindest reduziert und oft auch noch um Einiges günstiger ist. Diesen Shop hier finde ich recht gut, da die Herkunftsregion der Produkte konsequent angegeben wird und man daher möglichst regional einkaufen kann. 

2. Getränkeeinkauf

Laut dem "Müll in der Natur"-Report der Umweltschutzorganisation Global 2000 gehören Getränkeverpackungen zu dem am häufigsten in der freien Natur wiedergefundenen Müll. 

Aber selbst Verpackungen, die ordnungsgemäß in den Mülleimer geworfen werden, werden leider nur zu einem relativ geringen Prozentsatz (in Österreich ca. 25% der Kunststoffabfälle) recycelt – daher ist es am besten, wenn dieser Abfall gar nicht erst anfällt.

Bei stillem Wasser ist mein Lösungsansatz sehr einfach: Ich kaufe dieses nicht im Supermarkt, sondern trinke einfach Leitungswasser. Wenn ich unterwegs oder auf Reisen bin, nehme ich eine wiederbefüllbare Wasserflasche aus Glas oder Metall mit. Im Sommer, wenn ich sehr kaltes Wasser bevorzuge, habe ich immer eine wiederbefüllbare Glasflasche mit Leitungswasser im Kühlschrank stehen.

Solltest du stilles Wasser nicht mögen und kohlensäurehaltiges bevorzugen, so könntest du dir einen SodaStream oder ein ähnliches Gerät besorgen und so normales Leitungswasser in Sprudelwasser verwandeln.

Bezüglich der Qualität des Leitungswassers musst du dir in Österreich (und vielen anderen europäischen Ländern) übrigens keine Sorgen machen – dieses wird streng kontrolliert und kann daher ohne Bedenken konsumiert werden. Außerdem ist es um vieles günstiger als abgefülltes Wasser.

Bei anderen Getränken – abgesehen von Wasser – ist es am besten, wo immer möglich auf Mehrwegverpackungen anstatt Einwegverpackungen zu setzen, wobei zu erwähnen ist, dass ein veganes Lebensmittel (z.B. Hafermilch, Sojajoghurt) in einer Einwegverpackung vermutlich in der Gesamt-Ökobilanz aufgrund des geringeren Ressourcenverbrauchs bei der Erzeugung trotzdem noch besser abschneidet als ein vergleichbares tierisches Produkt (z.B. Kuhmilch bzw. -joghurt) in der Mehrwegverpackung.

3. Kühlschrankmanagement

Dieser Begriff wurde von unserer Mutter geprägt – er bedeutet im Prinzip, dass man den Überblick über den Inhalt des eigenen Kühlschranks (und Gefrierschranks) behalten und möglichst nichts verschwenden sollte.

Dazu gehört unter anderem:

  • Reste von Lebensmitteln und gekochten Mahlzeiten in wieder verwendbaren Behältern im Kühlschrank aufbewahren und rechtzeitig aufbrauchen, damit sie nicht verderben.
  • Beim Kochen kreativ werden und Reste gezielt verarbeiten anstatt diese wegzuwerfen. Anregungen findest du z.B. bei ZugutfürdieTonne.
  • Koche am Abend auch mal etwas mehr und nimm die übrig gebliebene Portion am nächsten Tag für die Mittagspause beim Studium oder in der Arbeit mit. Im Vergleich zu auswärts gekauftem Essen sparst du damit Geld und Verpackungsmüll. Und gesünder ist es oft auch, da du genau weißt, was in deiner Mahlzeit enthalten ist.

4. Badezimmeraustattung

Viele von der Werbung angepriesenen Produkte sind gar nicht unbedingt notwendig und erzeugen nur unnötig viel Müll.

So kannst du z.B. verpackte Duschgels und Shampoos leicht durch feste Seifen, am besten in Bioqualität, ersetzen – wir kennen hier zufällig einen empfehlenswerten Anbieter ;-)! Qualitativ hochwertige Seifen haben eine so gute Rückfettung, dass du nach dem Waschen weder Bodylotion noch Conditioner benötigst – und dadurch noch mehr unnötigen Müll vermeidest.

Des Weiteren kannst du z.B. Haarspülungen oder Gesichtswasser ganz einfach durch Bio-Apfelessig ersetzen. Wie das geht, erfährst du auf meinem privaten Blog.

Um noch mehr Plastik einzusparen, kannst du außerdem von Zahnbürsten aus Kunststoff auf solche aus Holz umsteigen (erhältlich z.B. in vielen Unverpacktläden, aber mittlerweile auch in einigen regulären Drogerien).

Außerdem kannst du statt Wegwerfrasierern stylishe wiederverwendbare Rasierhobel benützen. Mehr dazu hier.

Statt Wattestäbchen empfehle ich so genannte "Ohrschlingen", die in manchen Drogerien und online erhältlich sind und nach dem Reinigen mit Wasser und Seife immer wieder zum Säubern der Ohren verwendet werden können.

Auch Wegwerfwattepads verwende ich schon lange nicht mehr. Als funktionale Minimalistin habe ich diese einfach durch wieder verwendbare kleine Handtücher und Waschlappen ersetzt, die ich regelmäßig mit 90°C wasche. Wer von euch gerne näht, kann sich aber auch kleine wiederverwendbare und sehr hübsche Wattepads selber anfertigen. Im Internet gibt es dazu viele Anleitungen.

5. Haushalt

Eine meiner wichtigsten Zero Waste Erkenntnisse war, was man so alles mit stinknormalem Tafelessig anstellen kann. Dieser ersetzt u.a. Putzmittel, Klarspüler, Weichspüler und Entkalker. Mehr dazu hier.

Ein weiterer Easy Fix ist es, auf Müllsackerl zu verzichten. Bei mir landet der unvermeidbare Restmüll in einem Kübel (ohne Müllsackerl), der Papiermüll in einem Papiersackerl, Glas/Metall in einer wiederverwendbaren abwaschbaren Kunststofftasche und der Biomüll in einer eigens dafür vorgesehenen waschbaren Kunststofftonne (ebenfalls ohne Müllsackerl). Diese Behälter leeren wir regelmäßig in die dafür vorgesehenen Container der Stadt aus und falls sie einmal zu schmutzig werden, reinigen wir sie einfach mit Wasser. 

 

Sollte es dir so vorkommen, als wären das nun doch sehr viele Ratschläge auf einmal gewesen, so lass dich davon bitte nicht abschrecken! Diese decken schon so einige Bereiche ab und müssen auch nicht alle auf einmal umgesetzt werden. Schritt für Schritt kommt man schließlich auch ans Ziel. Das Wichtigste ist es, erst einmal anzufangen!

 

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