Milchlobby versucht weiterhin, pflanzliche Konkurrenz zu sabotieren

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Obwohl der Anteil pflanzenbasierter Lebensmittel im Molkereibereich innerhalb der EU 2019 noch bei überschaubaren 2,5% des Gesamtmarktes lag, scheint die steigende Nachfrage nach Milchalternativen die Milchlobby derart zu beunruhigen, dass sie der veganen Konkurrenz weiterhin das Leben schwer zu machen versucht.

Nachdem der Europäische Gerichtshof 2017 das von der Milchindustrie äußerst begrüßte Urteil fällte, dass pflanzenbasierte Milchersatzprodukte sich nicht mehr "Milch", "Käse" oder "Joghurt" nennen dürfen, kam es nun zu einem weiteren Vorstoß gegen vegane Alternativen zu Molkereiprodukte.

Auf Initiative der Molkereiindustrie wurde im EU-Parlament eine Abstimmung über eine Abänderung der bestehenden Verordnung durchgeführt, mit dem Ziel, eine Verschärfung derselben herbeizuführen: In Zukunft sollen pflanzenbasierte Produkte aus dem Molkereisektor sich in keiner Weise mehr mit tierischen Produkten derselben Kategorie vergleichen können.

Dies würde bedeuten, dass Formulierungen wie "cremig wie Joghurt" oder "Milchersatz" oder auch z.B. Gegenüberstellungen im Hinblick auf die Ökobilanz der jeweiligen Produkte nicht mehr zulässig wären. Würde die Abänderung besonders streng ausgelegt, könnte dies sogar dazu führen, dass die Verpackungen für vegane Milchprodukte denen tierischer Milchprodukte nicht mehr ähneln dürfen.

Die Molkereiindustrie begründet ihren Vorstoß damit, verhindern zu wollen, dass Konsumenten bezüglich der Natur (tierisch vs. pflanzlich) der angebotenen Produkte getäuscht und in ihrer Wahl beeinflusst würden. 

Pikanterweise kann die europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC mit diesem Argument nichts anfangen. Sie traut den Kunden durchaus zu, den Unterschied zwischen pflanzlichen und tierischen Milchprodukten zu erkennen und bedauert die Entscheidung des Parlaments zum Abänderungsantrag.

Das EU-Parlament hat den Abänderungswunsch der Milchlobby nämlich bereits durchgewunken, EU-Kommission und Ministerrat müssen noch darüber abstimmen. Es wird allerdings bezweifelt, dass man sich der Entscheidung des Parlaments widersetzen wird.

Da ist es nur ein geringer Trost, dass Bezeichnungen wie "Steak", "Wurst, "Schnitzel", "Burger" oder "Hamburger" für Fleischersatzprodukte weiterhin verwendet werden dürfen.

Wenn man bedenkt, dass eine Ernährung mit einem höheren Anteil pflanzenbasierter Lebensmittel sich sowohl auf die menschliche Gesundheit als auch unsere Umwelt und das Klima sehr positiv auswirken kann, ist die Entscheidung des EU-Parlaments, die Hürden für die Produzenten veganer Produkte weiter zu erhöhen, mehr als bedauernswert und wirkt nicht unbedingt zukunftsorientiert.

 

Quelle:
orf.at, 27.01.2021, "Kampf ums Milchregal"
Start Clim 2019, "DIETCCLU Einfluss von unterschiedlichen Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächeninanspruchnahme in Österreich und Übersee"

 

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