Wenn das ewige Eis ein Ablaufdatum hat

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Zusammen mit Gletschern und Permafrostböden beeinflusst das Eis der Polarregionen stark die klimatischen Entwicklungen in davon weit entfernten Regionen - Europa, Asien und Nordamerika. Im Folgenden findet ihr eine kurze Zusammenfassung der Zusammenhänge und warum es uns nicht egal sein kann, was weit von uns entfernt passiert:

Polarregionen

  • Sollten wir der Erderwärmung nicht Einhalt gebieten, so könnte der Meeresspiel im Laufe der Zeit um bis zu 58 Meter ansteigen - mit verheerenden Folgen für viele Regionen dieser Erde.
  • Zusätzlich vermuten Forscher, dass das schmelzende Meereis auch mitverantwortlich für die zunehmend heißen und trockenen Sommer in Mitteleuropa ist - und damit für Dürren, Ernteausfälle, verstärkten Schädlingsbefall, sich ständig verändernde Lebensräume, Hitzetote, etc.
  • Außerdem beeinflussen die in der Arktis herrschenden Temperaturbedingungen das Windsystem der nördlichen Atmosphäre: Erwärmt sich der Nordpol weiterhin stärker als der Rest der Welt, wird dieses Windsystem instabiler - mit starken direkten Auswirkungen auf unser Wetter und Klima.
  • Das Schmelzen der Pole treibt einen Teufelskreis voran: Je mehr Eis verschwindet, desto weniger Sonnenlicht wird zurück ins All reflektiert, desto stärker erwärmt sich die Erde und desto mehr Eis schmilzt ...
  • Der beim Schmelz in die Atmosphäre gelangende Wasserdampf verstärkt außerdem den Treibhauseffekt noch weiter.
  • Werden im Hinblick auf die Klimaveränderungen gewisse - leider noch nicht zur Gänze erforschte - Kipppunkte erreicht, so löst dies nicht mehr aufzuhaltende sich selbst verstärkende Kettenreaktionen aus, die über Jahrtausende anhalten könnten.

Bei einer Forschungsexpedition, die vor Kurzem zu Ende ging, wurde festgestellt, dass schon jetzt die Winter am Nordpol durchschnittlich um 10 Grad wärmer sind als noch um das Ende des 19. Jahrhunderts und das Meereis im Sommer nur mehr die Hälfte der Fläche im Vergleich zu vor 40 Jahren einnimmt. Es ist also höchste Zeit zu handeln und die Klimaerwärmung abzubremsen. 

 

Permafrostböden

  • Laut Schätzungen werden ca. 30% des globalen Kohlenstoffs in den arktischen Böden gespeichert - tauen diese aufgrund der Erderwärmung auf, setzen sie große Mengen an CO₂ und dem noch viel schädlicheren Methan frei und treiben somit den Temperaturanstieg noch weiter voran.
  • Durch die steigenden Temperaturen entstehen vermehrt Brände, die noch mehr Kohlenstoff freisetzen und außerdem den Boden erwärmen, der dadurch noch schneller auftaut. 
  • Schmelzen auch sogenannte "Eislinsen" - im Permafrostboden eingeschlossene Eismassen - so werden einerseits Treibhausgase freigesetzt und andererseits wird durch die dann im Boden entstehenden relativ warmen "Seen" das Auftauen der Böden zusätzlich beschleunigt und ein Wiedereinfrieren selbst im Winter oft verhindert. 
  • Indirekte Umweltkatastrophen werden ausgelöst, wenn der auftauende Permafrostboden nicht mehr stabil ist und dann - wie etwa in Russland passiert - z.B. Treibstofftanks umstürzen und sich deren Inhalt in die Umwelt ergießt.

Laut Forschern können wir die Auswirkungen noch in erträglichen Grenzen halten, wenn es uns gelingt, die Erderwärmung auf ein moderates Maß zu begrenzen ... es ist Zeit, zu handeln.

 

Quelle: Der Standard, 16.12.2020, "Forschung Spezial"

 

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