Die Problematik rund um Avocados

Die vielen Opfer des Geschäfts mit Avocados

Das Gesch√§ft mit den Avocados boomt, die Frucht wird als Superfood und Kosmetikzutat gehypt. Die meisten Avocados werden in den USA und Mexiko vertilgt, aber selbst in √Ėsterreich¬†hat sich deren Konsum innerhalb von 5 Jahren fast verdoppelt, in Deutschland hat er sich im Zeitraum von 10 Jahren verf√ľnffacht.

Leider kommen diese bl√ľhenden Gesch√§fte in den allermeisten F√§llen nicht Kleinbauern zugute, sondern¬†der m√§chtigen Agrarindustrie oder Drogenkartellen. Aber mehr dazu sp√§ter.

Mexiko produziert mit haushohem Abstand die meisten Avocados weltweit (2018 waren es 2,18 Mio. Tonnen), weit abgeschlagen folgen u.a. die Dominikanische Republik, Peru, Chile, die USA und Spanien (ca. 70.000 Tonnen jährlich).

Die meisten der Avocados, die in √Ėsterreich in den Verkauf kommen, stammen aus Chile. Daher wollen wir unsere Reise durch die wundervolle Welt des Avocado-Hypes auch dort beginnen.

Chile: Wassermangel und bedrohte Kleinbauern

Avocados werden in hei√üen, meist sehr trockenen Gegenden angebaut, und das, obwohl die Produktion der Fr√ľchte unglaubliche Mengen Wasser verschlingt (bis zu 1000 l pro kg, zum Vergleich bei Tomaten sind es ca. 180 l). In Chile hat sich die Anbaufl√§che f√ľr Avocados in den letzten 30 Jahren trotz dieser Problematik verdreifacht, denn die Agrarindustrie macht mit dem Anbau der Fr√ľchte gutes Geld und hatte den Hype daher auch gezielt mit Werbekampagnen angestachelt.

Nachdem die Wasserversorgung in Chile ausgehend von einem w√§hrend der Diktatur erlassenen Gesetz im Laufe der Zeit komplett privatisiert wurde, sind es wenige einflussreiche Gro√üunternehmer aus der Agrar-, Bergwerks- und Forstwirtschaftsbranche, die √ľber den Gro√üteil der Wasserrechte verf√ľgen.

Kleine Bauern und die Bev√∂lkerung in trockenen Landstrichen ziehen dabei den K√ľrzeren. Die Bauern m√ľssen teilweise den Verlust ganzer Jahresernten hinnehmen, weil die Agrargro√üunternehmer so viel Grundwasser verbrauchen, dass den Kleinbauern nicht mehr gen√ľgend f√ľr die Bew√§sserung ihrer eigenen Anbaufl√§chen bleibt. Das Trinkwasser f√ľr die Bev√∂lkerung muss in manchen Gegenden mit dem Tankwagen herangekarrt werden, weil das Grundwasser nichts mehr hergibt.

Die einzigen, die in Chile vom Avocado-Gesch√§ft profitieren, sind die gro√üen Agrarunternehmen, w√§hrend die Kleinbauern und die Bev√∂lkerung unter Wassermangel und Preissteigerungen leiden. Die Preise f√ľr Avocados - die in Chile praktisch zu den Grundnahrungsmitteln z√§hlen - haben sich durch die hohe Nachfrage im Ausland in Chile n√§mlich in den letzten Jahren¬†verdoppelt.

Mexiko: Organisierte Kriminalität und Waldrodungen

Weltweit werden wie erw√§hnt die allermeisten Avocados in Mexiko angebaut. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, werden tausende Hektar Wald gerodet und zahlreiche Menschen umgesiedelt, um Platz f√ľr neue Avocado-Plantagen zu schaffen.

Au√üerdem ist die organisierte Kriminalit√§t in Form der mexikanischen Drogenkartelle schon vor L√§ngerem auf die Avocado als nicht enden wollenden Geldstrom aufmerksam geworden und mischt nun kr√§ftig im Gesch√§ft mit dem "gr√ľnen Gold" mit.

Uruapan, die "Welthauptstadt der Avocado" geh√∂rt mit ca. 300 Morden im Jahr zu einer der gef√§hrlichsten St√§dte des Landes, seit die Narcos dort die Kontrolle √ľbernommen haben.¬†

Nachdem mexikanische Avocados √§u√üerst profitabel im Nachbarland USA verkauft werden k√∂nnen, z√§hlen sie neben dem Kerngesch√§ft der¬†Narcos (Kokain, Marihuana, Pillen) mittlerweile zu deren beliebtesten neuen Einnahmequellen. Diese¬†werden von den konkurrierenden Kartellen hei√ü umk√§mpft - und leider geraten auch h√§ufig Zivilisten zwischen die Fronten. Wer gegen das organisierte Verbrechen aufbegehrt, muss um sein Leben und / oder seine Anbaufl√§chen f√ľrchten. Wer sich mit¬†den Kartellen arrangiert, muss ihnen Schutzgeld zahlen.

Durch die weit verbreitete Korruption und die häufige Zusammenarbeit zwischen örtlicher Polizei und organisiertem Verbrechen wird auch von behördlicher Seite nicht viel unternommen, selbst wenn immer wieder Unschuldige, auch Kinder, ermordet werden.

Fazit: Avocado-Konsum reduzieren & Bio-Produkte bevorzugen

Aufgrund all der genannten Problematiken rund um das angebliche Superfood wäre es daher ratsam Avocados - genauso wie z.B. Fleisch - als Luxusgut anzusehen und daher nur sporadisch und in Maßen zu genießen.

Da beim Anbau konventioneller Avocados gro√üe Mengen an Spritz- und D√ľngemittel zum Einsatz kommen, die ins Grundwasser und die B√∂den gelangen k√∂nnen, sollte au√üerdem bevorzugt zu Bio-Produkten gegriffen werden.

Auch bei Kosmetikprodukten sollte man sich fragen, ob die viel gepriesenen Vorz√ľge der Avocado¬†die Problematiken rund um deren Anbau rechtfertigen. Und auch hier sollten vor dem Kauf Erkundigungen √ľber Herkunft und Anbauweise der¬†Fr√ľchte eingeholt werden.¬†¬†

 

Quellen:
Deutsche Welle, 03.03.2020, "Mexiko: Der blutige Kampf um Avocados"
Weltexporte, 16.12.2020, "Die international größten Exportländer von Avokados"
Der Standard, 19.11.2016, "Der Hype um die Avocado: F√ľnf Grafiken und ein Anruf"
Deutsche Welle, 24.06.2018, "Die Schattenseiten des Avocado-Booms"

 

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