Regional vs. importiert: Was ist besser?

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In letzter Zeit sind wir auf Instagram immer mal wieder über Beiträge von "Mitgliedern der Nachhaltigkeits-Community" gestoßen, die ihren zahlreichen Followern augenscheinlich faktenbasiert darlegten, dass aus Übersee importiertes Obst in so einigen Fällen - entgegen aller Erwartungen - nachhaltiger sei als regional angebaute Lebensmittel.

Diese Aussage alleine machte uns schon etwas stutzig. Dass es sich dabei jedes Mal um eine bezahlte Werbe-Kooperation mit derselben Firma handelte, die - man glaubt es kaum - mit Früchten aus Übersee handelt, erregte natürlich zusätzlich unser Interesse.

Sollte an den Behauptungen tatsächlich etwas Wahres dran sein oder wurde hier nur für Werbegeld die Wahrheit zurechtgebogen? Wir haben recherchiert.

Grundsätzliches: Warum es wichtig ist, sich mit der Herkunft unserer Nahrungsmittel zu beschäftigen

Laut FAO (Food and Agriculture Organization, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) werden 22% aller Treibhausgasemissionen direkt oder indirekt von unserer Ernährung verursacht - von der Produktion über die Transportkette bis hin zur Entsorgung. Zählt man auch noch die Emissionen hinzu, die durch geänderte Landnutzungen verursacht werden (z.B. Abholzung von Wäldern für Anbauflächen), so kommt man insgesamt sogar auf schwindelerregende 37%!

Am Beispiel von Deutschland lassen sich die Anteile der unterschiedlichen Bereiche an den Treibhausgasemissionen des Ernährungssektors wie folgt aufschlüsseln:

  • Verarbeitung: 6 %
  • Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel: 8 %
  • Handel, Transport: 13 %
  • Verbraucheraktivitäten: 29 %
  • Erzeugung tierischer Lebensmittel: 44 %

Einige dieser Bereiche haben wir schon in anderen Blogartikeln behandelt (siehe weiter unten in diesem Artikel "Diese Blogartikel könnten dich ebenfalls interessieren"), daher wollen wir uns heute wie erwähnt vor allem dem Aspekt regional vs importiert widmen.

Dieser scheint für die Bevölkerung der DACH-Region immer wichtiger zu werden, wie die Ergebnisse einer Umfrage unter 1.000 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schon im Jahr 2015 nahelegten:

  • 80% der Befragten kaufen mehrmals monatlich regionale Lebensmittel (im Jahr davor waren es noch 72%), über 60% sogar wöchentlich (2014: 48%)
  • Der Anteil an VerbraucherInnen, deren Warenkorb zu mindestens 20% aus regionalen Waren bestand, war schon damals - vor der Coronakrise - im Steigen begriffen.
  • Bietet man VerbraucherInnen die Wahl zwischen einem Apfel der Güteklasse I aus Übersee und einem Apfel der niedrigeren Güteklasse II aus der Region an, so entscheiden sich 86% für den heimischen Apfel.

Grund genug, uns zu fragen: Ist regional wirklich nachhaltiger?

Die Komplexität von Ökobilanzen

Grundsätzlich ist vorauszuschicken, dass sich die finale Ökobilanz eines Produktes aus unglaublich vielen Faktoren zusammensetzt, was erstens deren Berechnung zu einer hochkomplexen Angelegenheit ausarten lässt und zweitens pauschale Aussagen zwar nicht vollkommen unmöglich macht, aber doch erschwert. Diese komplexen Sachverhalte werden dann unserer Erfahrung nach oft vereinfacht dargestellt und dadurch in vielen Fällen leider auch verfälscht.

Zur weiteren Veranschaulichung - was wird alles in der Ökobilanz berücksichtigt?

  • Anbaufläche: Im Falle von Äpfeln z.B., ob diese auf einer Streuobstwiese oder einer Plantage wachsen, aber auch, ob im Freiland oder in Gewächshäusern angebaut wird.
  • Anbauweise: Bio vs. konventionell (z.B. im Hinblick auf Pestizide) aber auch Unterschiede im Hinblick auf gesetzliche Vorgaben (z.B. erlaubte / verbotene Pestizide, etc.) oder Gegebenheiten  in verschiedenen Ländern (z.B. Klima, Wasservorkommen, Sonnenstunden, etc.), Auswirkungen auf Luft, Wasser, Boden.
  • Energiebedarf: Treibstoff für Traktoren und andere landwirtschaftliche Maschinen, mit welchen Energiequellen werden Gewächshäuser beheizt, etc.
  • Transport: Die Länge der Transportwege und die Art des Transportmittels.
  • Lagerung: Der notwendige Energieverbrauch für Kühlhäuser, die als Lager oder Zwischenlager verwendet werden, spielt sowohl bei heimischen als auch bei importieren Lebensmitteln eine Rolle.
  • Effizienz: Große, auf Effizienz getrimmte Betriebe vs. kleine, meist vergleichsweise ineffiziente Betriebe bzw. wie ertragreich sind die Anbauflächen (kg produzierter Ware / Fläche bzw. Energieaufwand)?
  • Verpackung: Mehrweg, Einweg, Plastik, Glas, Tetrapak, Karton, notwendige Verpackung / Verkaufseinheit, etc.
  • Endverbraucher: Einkauf zu Fuß, mit dem Rad, mit den Öffis, mit dem Auto, wie weit ist die Strecke von zu Hause bis zum Geschäft, etc.

Fügt man diesen Faktoren noch andere relevante Aspekte wie ...

  • stabile Lebensmittelversorgung in Krisenzeiten (z.B. Pandemien),
  • Produktionsstandards,
  • Qualitätskontrollsysteme,
  • Vorgaben im Hinblick auf z.B. Gentechnik und Hormonbehandlungen,
  • Arbeitsbedingungen,
  • Tierschutzgesetze,
  • regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze,
  • Frische,
  • Vitamingehalt,
  • etc. etc. etc.

... hinzu und bedenkt, dass heutzutage viele Produkte nicht aus einem, sondern aus unzähligen verschiedenen Rohstoffen (alle mit potenziell sehr unterschiedlicher Ökobilanz und stark variablem Anteil am Gesamtprodukt) bestehen, so lässt sich die unglaubliche Vielschichtigkeit einer Bewertung regional vs. importiert erkennen und man erahnt, dass stark vereinfachende Formulierungen der Sachlage nicht gerecht werden können.

Wir werden uns in diesem Artikel dennoch bemühen, die wichtigsten Erkenntnisse diverser Studien kurz und prägnant zusammenzufassen, ohne aber deren essentielle Aussagen dadurch zu verfälschen.

Die Vergleichbarkeit von Ökobilanzen

  • Prinzipiell ist es in wissenschaftlichen Studien üblich, Gleiches mit Gleichem zu vergleichen, also in unserem Fall z.B. sprichwörtlich eben nicht Äpfel mit Birnen, sondern Äpfel mit Äpfeln, um so gut wie möglich ausschließen zu können, dass andere als die zu untersuchenden Faktoren einen Einfluss auf das Endergebnis haben.
  • Vergleicht man hingegen unterschiedliche Obstsorten miteinander (wie oft in den anfangs erwähnten Instagram-Posts geschehen), so kann man zwar natürlich ebenfalls interessante Aussagen zu deren jeweiligen Ökobilanzen treffen, allerdings ist diese dann nicht mehr notwendigerweise auf den Unterschied regional vs. importiert zurückzuführen, sondern kann von vielen anderen Faktoren beeinflusst werden.

Regional ist gut, regional UND saisonal ist deutlich besser

Beginnen wir mit der vielleicht wichtigsten Erkenntnis von allen: Alleine darauf zu schauen, dass Obst und Gemüse regional angebaut wird, garantiert leider nicht unbedingt eine bessere Ökobilanz. Es ist auch wichtig, die Lebensmittel (nur) dann einzukaufen, wenn sie gerade Saison haben, da sie so am klimafreundlichsten und energieeffizientesten angebaut werden können.

Kauft man also konsequent regionales Obst und Gemüse, das außerdem gerade in Saison ist (und daher nicht im beheizten Glashaus, sondern im Freiland angebaut wird), so kann man nicht wirklich viel falsch machen und ist so gut wie immer auf der sicheren Seite.

Das ist im Frühjahr, Sommer und Herbst relativ leicht - wenn man weiß, was wann Saison hat (Saisonkalender). Im Winter wird es in unseren Breitengraden schon etwas schwieriger, nur auf saisonale und regionale Ware aus Freilandanbau zurückzugreifen (obwohl das natürlich auch zu dieser Jahreszeit die umweltfreundlichste Variante wäre).

Im Winter wird es also kompliziert, denn da sind auch noch weitere Parameter zu beachten ...

Gewächshäuser vs. Freiland

Das führt uns direkt zum nächsten Thema, das natürlich auch mit der Saisonalität und den dadurch bedingten Witterungs- und Anbaubedingungen zu tun hat: Ob regionales Obst und Gemüse wirklich die bessere Umweltbilanz als importiertes aufweist, hängt auch davon ab, ob es im Freiland angebaut wird, oder aber im Gewächshaus, für dessen Beheizung zusätzliche Energie benötigt wird. Des Weiteren kommt es darauf an, wie umweltfreundlich und energieeffizient die verwendete Energiequelle ist (Öl, Gas, Fernwärme, erneuerbare Energien, ...).

Grundsätzlich lässt sich daher sagen, dass z.B. bei Obst aus dem Gewächshaus 5-30 Mal so viele Emissionen freigesetzt werden wie bei Freilandanbau.

Daher kann u.a. importiertes Obst, das im Anbauland gerade Saison hat, eine bessere Umweltbilanz aufweisen als heimische Früchte, die außerhalb der Saison im Gewächshaus herangezogen oder aber längere Zeit in Kühlhäusern gelagert wurden. 

Dies kann zum Beispiel bei Erdbeeren der Fall sein. In diesem Fall liegt zwar nicht die gesamte Ökobilanz vor, sondern nur die CO₂-Äquivalente. Diese sind allerdings schon recht aussagekräftig:

  • Saisonale Erdbeeren aus der Region: 0,3 kg CO₂-Äquivalent / kg
  • Gefrorene Erdbeeren aus der Region: 0,7 kg CO₂-Äquivalent / kg
  • Saisonale Erdbeeren aus Spanien: 0,8 kg CO₂-Äquivalent / kg
  • Regionale Erdbeeren aus dem Treibhaus ("Winter-Erdbeeren"): 3,4 kg CO₂-Äquivalent / kg

Oder am Beispiel von Kopfsalat:

  • Saisonal aus der Region: ca. 0,07-0,12 kg CO₂-Äquivalent + 0,5-1 MJ Energieaufwand / Salatkopf
  • Saisonal aus Spanien: ca. 0,24 kg CO₂-Äquivalent + 2,8 MJ Energieaufwand / Salatkopf
  • Regional außerhalb der Saison (Gewächshaus): ca. 0,5 kg CO₂-Äquivalent + 6,4 MJ Energieaufwand / Salatkopf

Ein weiteres Beispiel wäre die Ökobilanz von Tomaten: Werden die Gewächshäuser mit fossiler Energie beheizt, so haben österreichische Tomaten, die im Winter im Supermarkt verkauft werden, einen doppelt so hohen CO₂-Abdruck wie Tomaten aus Südspanien.

Anzumerken ist hier, dass Gewächshäuser, die mit anderen Energiequellen beheizt werden (z.B. Fernwärme, Holzhackschnitzel oder Thermalwärme - oder der Abluft von Bitcoin-Mining-Farmen) eine bessere Bilanz aufweisen. Und will man auch noch die oft sehr schlechten Arbeitsbedingungen für Erntehelfer, etwa in Südspanien, mitberücksichtigen, ist man vielleicht doch geneigt, lieber heimische Ware zu kaufen. Oder noch besser im Sommer eingekochte Tomaten zu verwenden. Oder im Winter einfach auf Tomaten zu verzichten ...

Wasserverbrauch in trockenen Gebieten

Diesen Aspekt sprechen wir in unserem Artikel über Avocados an (Link) - eine ähnliche Problematik gibt es bei den folgenden importierten Produkten:

  • Mandeln aus Kalifornien
  • Sprossen und Bohnen aus Ägypten
  • Kiwis und Orangen aus Israel
  • Obst und Gemüse aus Andalusien und Marokko

Lagerung vs. saisonal importiert 

Oft wird als Einwand gegen heimisches Obst und Gemüse außerhalb der Saison vorgebracht, dass dessen Lagerung und Kühlung so viel Energie verbrauche, dass es besser sei, importierte saisonale Lebensmittel zu kaufen. Das ist allerdings nur bedingt richtig und hängt stark von der tatsächlichen Lagerzeit der heimischen Ware sowie der Transportentfernung der importierten Ware ab.

Zum Vergleich:

  • Regionale saisonale Äpfel: 0,3 kg CO₂-Äquivalent / kg 
  • Heimische Äpfel, die 5-6 Monate gelagert werden mussten: 0,4 kg CO₂-Äquivalent / kg bzw. 4,4 Megajoule Energieaufwand / kg 
  • Saisonale Äpfel aus Neuseeland (einem der größten Exportländer): 0,8 kg CO₂-Äquivalent / kg bzw. 6,3 Megajoule Energieaufwand / kg

Müssen die Äpfel länger gelagert werden und / oder kommen die importierten Äpfel aus nähergelegenen Ländern, so kann sich diese Bilanz natürlich verschieben. Allerdings: Damit die Bilanz der importierten Äpfel besser ausfällt als die der heimischen, müssten die Äpfel schon sehr lange gelagert werden (9-18 Monate, was in der Realität eher nicht vorkommt) bzw. die Äpfel von einem sehr viel näher gelegenen Land als Neuseeland (oder Südafrika oder Argentinien - ebenfalls starke Exportländer) kommen.

In den oben genannten Berechnungen wurde schon berücksichtigt, dass Apfelplantagen in Neuseeland ertragreicher sind als solche in der DACH-Region (ein weiteres einzeln herausgepicktes Argument, das gerne für Plädoyers für importierte Früchte verwendet wird).

Der Vitaminverlust durch die Lagerung gilt übrigens sowohl für heimisches Obst und Gemüse im Kühlhaus als auch für unreif geerntete Ware aus Übersee, die im Kühlschiff oder in riesigen Zwischenlagern am Ankunftshafen gelagert wird.

Transportaspekte und der Mythos vom umweltfreundlichen Transport mit dem Schiff 

Im Hinblick auf die Errechnung der CO₂- bzw. Ökobilanz eines Produktes ist nicht nur die Länge des Transportweges ausschlaggebend, sondern auch die Effizienz des gewählten Transportmittels.

Ein Kleinlaster ist zum Beispiel weniger effizient als ein großer LKW, da dieser größere Mengen in Relation zum Energieaufwand transportieren kann.

Diese Transporteffizienz führt uns gleich zu einem leider falschen Argument, das oft verbreitet wird:

 

"Containerschiffe sind umweltfreundlich."

Nachdem Containerschiffe ein relativ effizientes Transportmittel sind (Relation Menge der transportierten Ware / Energiebedarf / CO₂-Ausstoß), wird des Öfteren suggeriert, dass der Transport mit dem Schiff den Import von Obst und Gemüse aus Übersee eigentlich recht umweltfreundlich mache, selbst im Vergleich mit regional angebauten Lebensmitteln. Dabei wird aber einiges außer Acht gelassen:

  • Bei verderblicher Ware aus fernen Ländern ist es generell sehr wahrscheinlich, dass sie mit dem schnellen Flieger anstatt dem relativ langsamen Schiff transportiert wurde. Und die Ökobilanz von Flugobst ist katastrophal, da sind sich alle einig.
  • Wurde die Ware dennoch mit dem Schiff transportiert, muss sie normalerweise gekühlt werden, was der Umweltbilanz auch nicht zuträglich ist.
  • Bei Obst und Gemüse wird nur selten gekennzeichnet, ob es mit dem Flugzeug oder aber dem Schiff transportiert wurde - es ist den VerbraucherInnen daher in den meisten Fällen schlicht nicht möglich, zwischen importierter Ware mit wirklich schlechter und solcher mit weniger schlechter Umweltbilanz zu unterscheiden.
  • Selbst wenn die Ware tatsächlich mit dem Schiff transportiert wurde, so ist dieser Transport nicht automatisch umweltfreundlich. Denn ja, der Schiffstransport weist pro Transportkilometer nur vergleichsweise geringe CO₂-Belastungen auf, aber dies wird durch die riesigen Transportentfernungen wieder zunichte gemacht. Denn hohe Belastungen pro Kilometer über relativ wenige (10, 100 oder 1.000) Kilometer sind in vielen Fällen immer noch besser als niedrige Belastungen pro Kilometer über riesige Entfernungen wie z.B. 12.000 Kilometer aus Asien oder Südamerika oder 19.000 Kilometer aus Neuseeland.
  • Schiffe stoßen zwar pro Tonnenkilometer (pro km transportierte Tonne an Ware) weniger CO₂ aus als z.B. LKWs, dafür verursachen sie aber viele andere hochgiftige Luftschadstoffe wie Schwefeloxide, Feinstaub, Stickoxide, Lachgas, Methan und Ruß - und diese besitzen eine starke Klimawirkung. Dazu kommen hohe Schwefel- und Schwermetallgehalte in den Rückstandsölen ihrer Kraftstoffe (maximaler Schwefelgehalt im Schiffstreibstoff: 0,5% vs. LKW-Diesel: 0,001 %). Von diesem Schiffstreibstoff wurden 2018 alleine von Containerschiffen ca. 63 Millionen Tonnen verbraucht und dieser Treibstoff ist so schmutzig, dass er an Land als Sondermüll entsorgt werden muss.
  • Die internationale Schifffahrt war 2018 für ca. 2-3% des gesamten globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich - das heißt, ihr Beitrag übersteigt den fast aller Länder dieser Erde (pro Land gesehen). Dabei sind Containerschiffe, Massengutfrachter und Öltanker für die meisten Emissionen verantwortlich. Die International Maritime Organization schätzt, dass von 2008 bis 2050 die Emissionen der Schifffahrt um 90-130 % steigen könnten.
  • Wenn Schiffe z.B. mit dem weniger effizienten Transportmittel LKW verglichen werden, wird oft außer Acht gelassen, dass ja auch mit dem Schiff transportierte Ware nicht direkt von den Anbauflächen aufs Schiff und von dort in unsere Supermärkte hüpft - für diese Zwischentransporte sind ebenfalls andere Transportmittel notwendig. Sprich, bei importierter Ware aus Übersee sprechen wir nicht von Schiffstransport STATT Transport mit dem LKW, sondern diese muss ZUSÄTZLICH zum Transport mit dem LKW auch noch über riesige Strecken mit dem Schiff transportiert werden.

Beispiele (kg CO₂-Äquivalent / kg Ware):

  • Orangen/Apfelsinen aus Europa: 0,3
  • Regionale Saisonäpfel: 0,3
  • Regionale Lageräpfel: 0,4
  • Äpfel aus Neuseeland: 0,8
  • Bananen: 0,6
  • Ananas per Schiff: 0,6
  • Ananas per Flugzeug: 15,1
  • Avocado aus Peru per Schiff: 0,8
  • Mango per Schiff: 1,73

Bio vs konventionell 

Bio-Lebensmittel haben aus den folgenden Gründen in der Regel eine bessere Ökobilanz als vergleichbare Ware aus konventionellem Anbau:

  • keine künstlichen Düngemittel
  • für gewöhnlich kein künstliches Substrat
  • weniger oder keine Pestizide und damit besser für den Erhalt der Artenvielfalt, der Bienen und der Reinheit unserer Gewässer

Effizienz

Das will jetzt vermutlich niemand hören, aber:

Große, auf Effizienz getrimmte Betriebe können eine bessere Klimabilanz aufweisen als z.B. kleine Betriebe mit ab-Hof-Verkauf.

Das liegt daran, dass diese in Relation zu der Masse an produzierten Lebensmitteln effizienter arbeiten können und daher pro Kilogramm Ware im Hinblick auf Produktion und Transport ein weniger großer Öko-Fußabdruck entstehen kann als bei kleineren Betrieben, die oft unter Mängeln in Auslastung und Logistik leiden.

ABER (großes Aber): Erstens ist diese (mangelnde) Effizienz nur einer von vielen Faktoren in der Berechnung der Ökobilanz und zweitens sagt diese von der Justus-Liebig Universität in Gießen veröffentlichte Studie nichts über die sozialen Auswirkungen der globalen Lebensmittelproduktion oder über regionale Wertschöpfung und Sicherung von Arbeitsplätzen aus.

Verpackung

Diesem extrem umfangreichen Thema werden wir in Zukunft noch einen eigenen Blogartikel widmen. Stay tuned!

Endverbraucher

Wer mit dem Auto einkaufen fährt, vor allem längere Strecken (ob nun zum Supermarkt oder zum weit entfernten Hofladen), beeinflusst leider die Ökobilanz der erworbenen Produkte durch diese letzten Transportkilometer äußerst negativ. 

Am besten wäre es daher, mit den Öffis, dem Rad oder zu Fuß einkaufen zu gehen.

Ist dies aufgrund der Wohnsituation oder der Größe des Einkaufs nicht möglich, so sollte man gerade bei einem Einkauf mit dem Auto vermehrt darauf schauen, Produkte mit guter eigener Ökobilanz auszuwählen, um den vom Auto verursachten Schaden bestmöglich auszubilanzieren. Zusätzlich sollten die Einkaufsfahrt mit anderen Erledigungen kombiniert und im Sinne der Effizienz lieber weniger oft große Mengen anstatt des Öfteren kleine Mengen mit dem Auto eingekauft werden.

Die klimafreundlichsten Obstsorten

Willst du nun zugunsten des Klimas auf bestimmte Früchte verzichten bzw. überprüfen, wie klimafreundlich deine Lieblingsobstsorten sind, so findest du im Folgenden eine kleine Auflistung der klimafreundlichsten Früchte (Werte, wenn das Obst Saison hat; auch in diesem Fall liegen nur die - allerdings schon recht aussagekräftigen CO₂-Äquivalente vor, nicht aber die gesamte Ökobilanz):

kg CO₂-Äquivalent / kg Obst

  1. Regionale Pfirsiche: 0,2 
  2. Regionale Äpfel: 0,3 
  3. Regionale Birnen: 0,3 
  4. Regionale Erdbeeren: 0,3 
  5. Europäische Orangen: 0,3 
  6. Europäische Trauben: 0,3 

Hier noch mal zum Vergleich:

  • Äpfel aus Neuseeland: 0,8
  • Bananen: 0,6
  • Ananas per Schiff: 0,6
  • Ananas per Flugzeug: 15,1
  • Avocado aus Peru per Schiff: 0,8
  • Mango per Schiff: 1,73

Fazit

Zur Ökobilanz von regionalem vs. importiertem Obst und Gemüse könnte man vermutlich noch weitere hunderte Seiten mit Zahlen, Fakten und berücksichtigungswerten Aspekten füllen, aber wir denken, wenn du es bis hierher geschafft hast, hast du schon mal einen ganz guten Überblick über die wichtigsten Punkte :-)

Zusammenfassend lässt sich sagen:

JA, der Unterschied in der Ökobilanz zwischen regionalen und importierten Produkten ist vielleicht - vor allem unter gewissen Umständen - nicht immer so hoch, wie man sich dies vielleicht erwarten würde (auch wenn sie oft immer noch einen mindestens doppelt so hohen CO₂-Abdruck aufweist!!).

NEIN, dass importierte Produkte (vor allem wenn sie von sehr weit her kommen) eine günstigere Ökobilanz aufweisen als regionale (und vor allem saisonale) Ware, ist trotzdem eher die Ausnahme als die Regel.

Unser Tipp wäre daher: Wann immer möglich regionale und saisonale Produkte wählen. Sollte dies nicht möglich sein, dann importierte Produkte aus möglichst nahegelegenen Ländern und idealerweise aus Freiland-Bioanbau und fairem Handel wählen.

 

Quellen:
oekotest.de, 23.12.2020, "Frisches Obst und Gemüse: Wie klimaschädlich ist der Verzehr im Winter?"
Codecheck, 25.07.2020, "Dieses Obst verursacht am wenigstens CO2"
science.orf.at, 17.10.2018, "Importierte Paradeiser können klimafreundlicher sein"
sueddeutsche.de, 29.05.2018, "Weit gereist oder lange gelagert - was ist besser?"
www.br.de, 25.04.2018, "Was ist besser für die Umwelt: Bodensee- oder Neuseelandapfel?"
www.geo.de, "Warum regionale Äpfel nicht besser sein müssen als Übersee-Ware"
www.taz.de, 25.05.2013, "Bio-Import oder Umland?"
www.ernaehrungsdenkwerkstatt.de, 17.05.2008, "Endenergieumsätze regionaler und globaler Prozessketten für Lebensmittel"
www.univie.ac.at, 11.08.2005, "Energiebilanzen für Obstimporte: Äpfel aus Deutschland oder Übersee?"
www.umweltbundesamt.de, 19.11.2015, "Gut fürs Klima – frisches Obst aus der Region"
Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, 30.06.2013, "CO₂-Fußabdruck und weitere Umweltwirkungen von Gemüse aus Baden-Württemberg"
Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, 2009, "Ökologische Optimierung regional erzeugter Lebensmittel: Energie- und Klimagasbilanzen"
ndr.de, 09.03.2018, "Exotische Früchte: Vitaminbomben mit Nachteilen"
Klimabuendnis.at, 2016, "Landwirtschaft, Ernährung und Konsum"
Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues der Technischen Universität München, "Ökologische und ökonomische Effizienzpotenziale einer regionalen Lebensmittelbereitstellung"
Forum Wirtschaftsethik, 20.04.2015, "Nachhaltigkeit durch Regionalität? Pro und Contra"
www.srf.ch, 14.03.2017, "Abgastest für Tomaten soll es bringen"
Naturschutzbund Deutschland, "Mythos klimafreundliche Containerschiffe"
blog.oeko.de, 08.12.2020, "#VerkehrswendeMythen10: Schiffe sind ein klimafreundliches Transportmittel"

 

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